1950 - 1979: Wirtschaftswunderjahre

Endlich kann das Kurhaus wieder seinen eigentlichen Daseinszweck erfüllen: Mittelpunkt der Stadt sein. Viel Prominenz war zu Gast.

Nachkriegsjahre

Noch im Frühsommer 1949 galt das Kurhaus als beschlagnahmt. Bis Ende 1949 wurden dann alle Räume wieder freigegeben und die Vorbereitungen für die Wiederherstellung konnten beginnen. Am 1. April 1950 wurde dann die erste Nachkriegssaison eröffnet.

Im August 1953 fand die Konferenz der Aussenminister der Montan-Union im Kurhaus statt. Die Vertreter von sechs europäischen Staaten tagten unter der Führung von Bundeskanzler Konrad Adenauer in der Stadt. Es war einer der frühen Schritte zur Gründung der EG.

Zu den Highlights der Kurhausgeschichte in den 1950ern gehört der Besuch des Schahs von Persien, der mit Kaiserin Soraya März 1955 nach Baden-Baden kam. 800 geladene Gäste fanden sich zum Empfang der Baden-Württembergischen Landesregierung ein.

1960 wird einmal mehr ein Umbaujahr: Großer und Kleiner Bühnensaal, Kurhausbar, Spielbankbar, ein Teil der Spielsäle, die Rezeption sowie das Wein- und Schwarzwaldstübl werden neu gestaltet.

Vom Großen und Kleinen Bühnensaal zum "Pfauenstall"

Die moderne Architektur der Ära des deutschen Wirtschaftswunders der 1950er fand auch für das Kurhaus seine Liebhaber. Die alte Stürzenacker-Architektur fand man nicht mehr zeitgemäß. So gestaltete der Düsseldorfer Architekt Bernhard Pfau den Großen und Kleinen Bühnensaal (den heutigen Bénazetsaal) nach damaligem Geschmack um. Die markanteste Veränderung war wohl das Einziehen einer Leuchtdecke, die das vorhandene Gewölbe komplett verdeckte. Diese bestand aus 504 scheibenförmigen Schirmelementen, was ihr die Spiznamen "Bierdeckeldecke", "Schnullerdecke" oder dem ganzen Saal "Pfauenstall" (nach dem Architekten Pfau) einbrachte.

1961 wird im Restaurationsflügel der "Kupferkessel" eröffnet. Nach den Plänen von Viktoria von Schack aus Berlin war das neue Abendlokal entstanden. 1964/65 werden auch die vorderen Räume der Kurhausgastronomie grundlegend renoviert. Durch immer wieder neu auftretende Wünsche der Gastronomiebetreiber wird die Kurhausrestauration in den nächsten Jahren allerdings immer wieder umgestaltet.

Vom Gartensaal zum Weinbrennersaal

Nachdem man 1965 feststellen musste, dass der historische Gartensaal baufällig geworden war, beschloss man, ihn wieder auf die ursprünglich von Weinbrenner ausgeführte Gestaltung in klassizistische Formen zurückführen wollte. Wegen akuter Einsturzgefahr des Deckengewölbes wurden die Arbeiten 1966 in Rekordzeit durchgeführt. Wenige Wochen vor dem 200ten Geburtstag Friedrich Weinbrenners entschloss sich Baden-Baden, den Baumeister des Kurhauses zu ehren. Aus dem baufälligen alten Gartensaal wurde der Weinbrennersaal.

Quelle: Robert Erhard "Aus der Chronik der Kaiserallee", Teil 2